50 Jahre Gastarbeiter

Unter dem Motto "Gastarbeiter - Arbeitskräfte wurden gerufen, Menschen sind gekommen." stand eine Podiumsdiskussion im Volksheim Herzogenburg am 19.10. zum Jubiläum "50 Jahre Gastarbeiter in Herzogenburg". Allerdings wurde wenig über das Damals geredet, da viele der 1. Gastarbeiter nicht mehr am Leben sind oder in ihr Herkunftsland zurückgegangen sind. Prof. Michael Cullin (Nizza-Wien) betonte vor allem, welche positive Entwicklung die mitteleuropäischen Länder genommen haben durch die 'Gastarbeiter' aus dem Süden. Auch ist die österreichische Identität (so wie die französische) ohne die MigrantInnen seit Jahrhunderten nicht erklärbar. Die interkulturelle Diskussion und die Integration der Migranten ist so die Grundlage für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Eine Untersuchung der Weltbank belegt überdies, dass der Reichtumszuwachs in den Industrieländer umso höher ist, je höher die Zahl der Migranten. Tugba Seker, aufgewachsen in einer Herzogenburger 'Gastarbeiterfamilie' und Geschäftsführerin der muslimischen Jugend in Österreich erzählte von der Kluft der 2. und 3. Generation der Migranten zwischen mehreren Identitäten. Sie sind weder hier noch im Herkunftsland der Eltern ganz zu Hause. Und die ständige Frage nach der 'eigentlichen' Herkunft hat große (oft negative) Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein der hier geborenen Jugendlichen. Sie hat selber ihre Identität als 'Österreicherin' und  'Muslimin' erst in der Großstadt Wien, wo sie seit 10 Jahren lebt, entdeckt und unterstützt andere Jugendliche bei dieser Identitätssuche.
Mag. Seyhan Percin von der AK NÖ erzählte von den Schwierigkeiten vieler MigrantInnen bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen aus dem Ausland, aber auch von den großen Bildungsproblemen, die viele Jugendliche der 2.und 3. Generation haben. Ebenso wurde kritisiert, dass es immer noch klare Diskriminierungen für MigrantInnen ohne Staatsbürgereschaft gebe wie bei der Wohnbauförderung, die alle AN einzahlen, aber nicht alle bekommen können. Über diese Probleme und die noch immer bestehende große Kluft zwischen den Eingesessenen und Migranten vor allem in Herzogenburg wurde dann noch viel diskutiert, aber leider wenig Lösungsansätze gefunden, da auch der Ansturm im Publikum vor allem von den Migranten eher gering war und eben die Gutwilligen auf beiden Seiten beisammen saßen. Es wurden aber auch die positiven Begegnungen erwähnt, die Propst Maximilian vom Stift schon gesetzt hat oder das letzte Integrationsfest von der Gemeinde im Juni.
Vor allem das anschließende Buffet bot Gelegenheit, mit den 'anderen' etwas ins Gespräch zu kommen. Und diese Gelegenheiten sollten beide Seiten weiter nutzen, um einen Integrationsprozess auch in Herzogenburg zu stärken.

Foto: Tugba Seker, Bgm. Franz Zwicker, Mag. Seyhan Percin, GR Richard Waringer, Nina Horaczek, Prof. Michel Curin