"Komme & Erlebe"

am 28. Jänner im Aleviteschen Kulturzentrum in St. Pölten

„Komm und ErLebe" ist ein Projekt, wo Jugendliche aus verschiedenen Kulturen, Vereinen und Gruppen aus St. Pölten gemeinsam eine interreligiöse & -kulturelle Veranstaltung inititierten. Denn im Alltag ist es oft schwierig, Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund näher kennenzulernen, so die alevitischen Jugendlichen um die Initiatorin Beste Yalin. Ziel des Projektes war es, eine Vernetzung und Kooperation zwischen den unterschiedlichen Religionen und Kulturen in unserer Umgebung zu erreichen und zu einem bessere Verständnis von Menschen unterschiedlicher Herkunft beizutragen.

Und das ist am Samstag, den 28.1. ab 15 Uhr mit der Begegnung bei internationalem Essen, Kinderprogramm und Folklore aus allen Kulturkreisen voll gelungen. So tanzten Kinder und Jugendliche des sunnitischen Osman Pasha Vereines in Wagram eindrucksvoll einen religiösen Dervischtanz, brachten Serben, Kosovaren, Roma, Tschetschenen, Ungarn und Aleviten ihre Folklore zur Darbietung; es wurde aber auch gemeinsam getanzt im türkischen Reigentanz genauso wie in einer österreichischen Quadrille.
Und die Ehrengäste von Bürgermeister Mag. Matthias Stadler über Landesrat Mag. Karl Wilfing und dem Botschafter von Tunesien, Mohammed Samir Koubaa sowie zahlreiche Gemeinderäte waren ebenso begeistert.

Inhaltlicher Höhepunkt war die interreligiöse Diskussion zum Thema „Sind die Religionen förderlich oder hinderlich für die Integration?" unter der Leitung von Rel.Insp. Mag. Johann Bruckner. Mitinitiator Betriebsseelsorger Sepp Gruber konnte Pfr. Sabinus Iweadighi + Jugendleiterin Magdalena Ganster als katholische, RL Hendrika Hantsch als evangelische und Pfr. Gojko Ostojvic als serb.-orth. Vertreter gewinnen sowie Isik Mehmet für die Sunniten, Mercan Mehmet für die Aleviten, Georg Fischer für die Buddhisten und Dr. Faris Forghani für die Baha'i, um über ihre Sicht der Integration in Österreich zu reden. Fast einhellig sahen es die Diskutanten als Aufgabe der Religionen, einen positiven Beitrag zur Integration in die jeweilige Kultur zu leisten.
„Die Religionen sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung" wurde zitiert.
In der Praxis sieht es natürlich nicht immer so aus, wie Meldungen aus dem Publikum deutlich machten. Eine engagierte Sozialarbeiterin aus Tschetschenien sieht es als frustrierend an, dass sie einerseits in ihrer eigenen patriarchalen Gesellschaft an Grenzen stoße, aber auch bei den Einheimischen nicht als gleichwertig angenommen und in ihre Community zurückverwiesen werde. Auch ist es für die gewöhnlichen Menschen oft unverständlich, was die Kinder und Erwachsenen so lange in ihrer Gemeinschaft tun. Isik Mehmet als gewählter Vertreter der islamischen Glaubensgemeinschaft in NÖ betonte das Bemühen in den Moscheen, Kindern Nachhilfe zu geben und die Menschen beim Leben in Österreich zu unterstützen. Als wichtig sieht er auch, dass sich die Moscheegemeinschaften stärker nach außen öffnen. Es wurde auch betont, dass Integration nicht ein bloßes Nebeneinander sein dürfe, aber auch keine Assimilation. Daher ist das gegenseitige Einladen zu den eigenen Festen und Räumen sehr wichtig. Als einen kritischen Punkten sah das Publikum auch die Frage der Frauen, die in der Praxis weit von der offiziellen Gleichstellung entfernt sind. Die goldene Regel „was du nicht willst, dass man dir tut, das füg' auch keinem anderen zu" wurde einhellig als wichtig angesehen. Hans Bruckner betonte zuletzt, wie wichtig es sei, dass sich die Vertreter der Religionen zusammensetzen und austauschen und natürlich auch die einfachen Gläubigen.
Und das wurde anschließend durch die vielen Tänze, Lieder und gemeinsamen Aktivitäten beim Fest betont.
Ein Dank gilt den einladenden alevitischen Jugendlichen, die sich allerdings ein stärkeres Kommen von einheimischen Jugendlichen erhofft hatten bei den abschließenden Konzerten der 'Hitch Hikers' aus Ybbs und der kurdischen Musikerin Sakina Teyna aus Wien.

Sepp Gruber

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