Genug für alle

Vortrag „Genug für ALLE" Biblische Ökonomie

Frau Mag. Barbara Rauchwarter , evangelische Theologin, lies an diesem gelungenen Abend das Leben aus dem Alten und Neuen Testament für uns sehr lebendig werden. Mit ihrer ruhigen wissenschaftlichen Information berührte sie in der Tiefe und ermutigte alle Teilnehmer zur Begegnung mit den biblischen Gestalten. Ihr Wissen um die jüdischen Wurzeln des Menschen Jesu in Verbundenheit mit seinem Vater im Himmel, seiner Herausforderung für Ge-Recht-igkeit und daraus wachsenden Frieden ist aktuell wie eh- und je!


Gott ist der Besitzer der Schöpfung, unserer Erde, wir dürfen sie nutzen und verwalten … Gottes Segen wurde u.a. in der Fruchtbarkeit des Bodens und des Lebens der Kinder gesehen … Vorrechte für Arme, Kranke, Witwen waren Schutz für diese. Besitzlose durften die Nachlese der Ernte in den Weinbergen und der Früchte einholen, um nicht an Hunger zu leiden. Bei der Schuldeneintreibung durfte z.b. der Mühlstein und das Obergewand nicht gepfändet werden, die Ernährung und Bekleidung sollte so gesichert sein. Das Zinsverbot war in der TORA geregelt (Deuteronomium, Exodus ..) Der Schuldenerlass (alle 7 Jahre) und die Grundbesitzverhältnisse wurden in bestimmten Zeiträumen neu geregelt. Jesus stellte die Sabbatordnung infrage, wenn die Grundbedürfnisse nicht gedeckt waren.

Viele Gedanken wurden angesprochen, u.a. :

Jes. 32,17:

„Und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein und die Frucht des Rechts ruhige Sicherheit und Dauer."

Die Bedeutung des Sabbats ist, die Zeit als Fenster zur Ewigkeit zu feiern, es ist keine Zeit der Sorge, Sorglosigkeit befreit. Sein Gebot ist auch Protest gegen die Geschichte der Gewalt, ein Stück weit die Unterbrechung der Herstellungs- und Herrschaftsverhältnisse und Fremdbestimmung. Aufenthalt in geschenktem, ja geheiligtem Zeitraum, in dem man zu sich selbst kommt – ein Zur-Ruhe-Kommen nicht im Sinne der aristotelischen Ethik, die Erholung als Gewinn von Kraft für neue Bemühungen definiert, sondern in Gottes Menucha eintauchen und genießen, Gottes Kinder zu sein.


Dorothee Sölle drückt dies meditativ so aus:

Du sollst dich selbst unterbrechen.

Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein und Freude,

zwischen Aufräumen und Vorbereiten sollst du es in dir singen hören,

Gottes altes Lied von den sechs Tagen und einem, der anders ist.

Zwischen Wegschaffen und Vorplanen

Sollst du dich erinnern an diesen ersten Morgen, deinen und aller Anfang,

als die Sonne aufging ohne Zweck

und du nicht berechnet wurdest

in der Zeit, die niemanden gehört außer dem Ewigen.

Eva Pipan

Buchtipp: „Genug für alle" Biblische Ökonomie , Mag.a Barbara Rauchwarter
Wieser Verlag
ISBN 978-3-99029-015-6

Foto: Hans Kopitz