Leute machen Kleider

mit Mag. Vera Besse , www.nachhaltig.at


Menschen für  Solidarität – Ökologie – Lebensstil

Der spannend gestaltete Abend am 1. April in den Räumlichkeiten der Betriebsseelsorge in Herzogenburg begann mit der Frage: Wieviel CO2 wird bei der Produktion eines T-Shirts ca. verbraucht? 

So durch das kompetente  Fachwissen der Referentin aktiviert, wurden die zahlreichen TeilnehmerInnen  mit den persönlichen  Überlegungen zum Thema Bekleidungsmarkt  einbezogen.
Am Beispiel der Produktion einer Jeans wurde informiert, dass weltweit 4 % der Landfläche für Baumwolle und 25 % des Einsatzes von Pestiziden für diese Produktion Verwendung  findet. Die Globalisierung am Beispiel einer Jeans-Geografie zeigt sich im internationalen Zusammenspiel. Der Weg von der Baumwolle bis zu den fertigen Jeans am Verbraucherort wird auf bis zu 19.000 km geschätzt. Anhand dieses Produktes und der Bezahlung der TextilarbeiterInnen war die Betroffenheit und Empörung groß, da diese ca € 0,15 pro Stunde verdienen, einen 12 Stunden-Arbeitstag haben, Kinderarbeit stattfindet, keine Organisationsfreiheit haben, und für Kost und Quartier zahlen. Aufgrund der Arbeitsschritte-Zerlegung bei der Produktion z.B. eines Hemdes schätzten die Teilnehmer des Abends die Produktionszeit x-fach zu hoch ein, in diesem strengen Rhythmus dauert die Produktionszeit 3 Minuten.
Der Schwerpunkt des Abends lag an den Überlegungen zur Nachhaltigkeit  und am eigenen persönlichen Verhalten. Das BIO Zertifikat für Baumwolle garantiert einen ökologischen Anbau der Faser, der Global Organic Textile Standard (GOTS) neben der Umweltfreundlichkeit auch die sozialen Standards. Unter www.cleanclothes.at findet man eine Liste mit Herstellerin, die fair produzieren lassen. Die nachhaltigste Methode ist aber: weniger oder Gebrauchtes kaufen, tauschen, Kauf überdenken, reparieren, öfter verwenden,  ändern in der Näherei, …..

Die Teilnehmer wollen noch aktiv an diesem Thema dran bleiben, z B. Farb- und Stilberatung, Tauschparty u.a.
Falls Sie Interesse haben, bitte melden Sie sich bei der Betriebsseelsorge Traisental, www.betriebsseelsorge.dsp.at .
Übrigens die Lösung der zu Beginn gestellten Frage lautet: 7 kg CO2.        Eva Pipan

TeilnhmerInnen beim Abend mit Mag. Vera Besse

Foto: Hans Kopitz


Ein Buchtipp, welches ich bereits gelesen habe und mir zu diesem Abend eingefallen ist:
Inhaltsangabe “Empört euch”
Autor Stéphan Hessel, 1917 - 2013
„Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.“ Mit diesen Sätzen beendet der Autor Stéphan Hessel das Buch „Empört euch“ (franz. Indignez-vous !). Das Buch erschien im Jahr 2011 in Berlin. Kurz gesagt ruft das ehemalige Mitglied der Résistance mit diesem Buch zum „friedlichen Widerstand gegen die Unzulänglichkeit unserer Gesellschaft“ auf.
Zu aller Erst sei gesagt, dass zu Beginn des Buches das Bild „Angelus Novus“ von Paul Klee abgebildet ist. Unter diesem Bild steht die Interpretation des deutschen Philosophen Walter Benjamin. Er sieht in diesem Bild einen Engel in Abwehrhaltung gegen einen Sturm, dabei beschreibt er den Sturm als den Fortschritt der Welt.
Müsste man das Buch mit einem Wort in Zusammenhang bringen, wäre dies „Widerstand“. Widerstand gegen was? Das ist egal. Es gibt laut dem Autor genug Gründe auf der Welt, sich gewaltlos zu empören, so empört sich Hessel in dem Buch unter anderem gegen den zur zeitigen Zustand in Palästina. Man soll die Gründe nutzen, so wie er es einst in der Résistance getan hat. Der 92 Jahre alte Mann weist darauf hin, dass er zu früheren Zeiten es leichter hatte, sich zu empören. Heute ist dies schwerer, da man nie genau weiß, wer an was Schuld ist, jedoch sucht Hessel weiterhin nach Gründen, sich zu empören. Er glaubt an einen Staat in dem es die Demokratie gibt, für die er einst gekämpft hat und es immer noch macht. Einen Staat, nein, eine Welt, in der nicht Geld die vorherrschende Macht ist, sondern der Mensch und seine Rechte. Er schließt damit ebenfalls die Unterdrückung von Minderheiten und das Verschmutzen der Umwelt ein.
Jedoch sind Waffen keine Gewalt, man soll sich gewaltlos und friedfertig  empören und in die Zukunft schreiten. Ebenfalls sollte man Attentäter nicht verzeihen, aber wenigstens versuch zu verstehen. Er bezieht sich im den Text ebenfalls auf dem Philosophen Sartre „Wir selbst, allein und absolut, sind für die Welt verantwortlich. Verantwortung des Einzelnen ohne Rückhalt, ohne Gott.“ Wir sind dafür verantwortlich, dagegen anzukämpfen, dass die Spalte zwischen Reich und Arm nicht noch größer wird, dass die Umwelt weiterhin verpestet und verschmutzt wird. Es ist unsere Aufgabe, dass wir die Menschenrechte und den Zustand unseres Planeten wieder zurechtrücken.  Die Zukunft, so Hessel, gehöre der Gewaltlosigkeit, die Kulturen sollen sich versöhnen und in Frieden in die Zukunft schreiten. „Die Geschichte der Gesellschaften schreitet voran, bis am Ende der Mensch seine vollständige Freiheit erlangt hat und damit der demokratische Staat in seiner idealen Form entstanden ist.“
Friede durch gewaltfreien Widerstand, diesen Drang möchte Hessel mit dem Buch in den Lesern wecken. Mit seinen 92 Jahren möchte er, dass die jüngste Generation den Kampf für die Demokratie weiterführt, wie er es während der Résistance getan hat. Sich zu empören ist der erste Schritt dazu, den jeder machen sollte. Gründe dafür gibt es ja genug, auch wenn diese manchmal nicht ganz offensichtlich sind.